Autor Thema: Neuer Workflow für Helicon Focus  (Gelesen 3533 mal)

Arno Grabolle

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Neuer Workflow für Helicon Focus
« am: 2015-05-12 21:30:41 »
Hallo Makro-Stacker und Stackerinnen,

vor einigen Wochen habe ich mir einen neuen Rechner gekauft (war lange überfällig). In diesem Zusammenhang musste ich auch Software neu installieren und nutze nun die aktuelle Version von H-Focus (bisher habe ich die unveränderte Erstinstallation von vor 4 Jahren gehabt). Die aufgefrischte Oberfläche gefällt mir gut, das Programm macht inzwischen einen recht ernsthaften Eindruck.

Eher nebenbei habe ich entdeckt, das man das Stack-Ergebnis nun auch als DNG speichern kann. Dafür muss man allerdings erst den Adobe-RAW-DNG-Konverter herunterladen (kostenlos) und installieren. Das hat Konsequenzen für den Arbeitsablauf. Nun kann ich die RAW-Dateien der Kamera direkt stacken und erhalte danach wieder eine „RAW“-Datei, die später beim Import in Photoshop wie gewohnt getuned werden kann.

Der Vorteil: Man muss nicht mehr alle Bilder eines Stapels in PS öffnen tunen und angleichen. Statt dessen hat man ein DNG mit allen Einstellmöglichkeiten und der Tiefenschärfe des gestackten Bildes.

Interessanter Weise scheint HF bei den RAW-Dateien auch größere Helligkeitsunterschiede (Blitzlicht-Schwankungen) perfekt ausgleichen zu können, was bei den TIF Dateien (alter Workflow) im Vergleich zur alten Version nicht mehr funktionierte.

Fazit: Es geht schneller und die Qualität ist besser. Wer noch nicht so arbeitet, dem/der würde ich empfehlen den Workflow umzustellen.

Zwei weitere Bemerkungen zum Programm:

Die neue „Renderingmethode C“ ist meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen. Nach anfänglicher Überraschung über die guten Ergebnisse musste ich im direkten Vergleich von Bildern, die mit der klassischen Methode B gerendert waren, feststellen, dass stellenweise die Kontraste unschön erhöht und bestimmte Details verschwunden waren. Ich habe es jetzt noch nicht mit RAW-Bildern probiert. Evtl. funktioniert es da besser.

Ich musste feststellen, dass die Grundeinstellungen der neuen Version keine Winkeltoleranz für Stackbilder (Drehen=0°) vorsehen. So kann man handgeschossene Stapel nicht zusammensetzen, weil sich das Motiv nicht nur vertikal und horizontal verschiebt, sondern meist auch etwas dreht. Hier sollte mindestens ein Wert von 2° eingestellt werden.

btw: Der neue Rechner lässt es jetzt zu, den rechenaufwändigsten Interpolationsalgorythmus (Lanczos 8 (16x16)) zu nutzen. Damit ist er nun immer noch spürbar schneller als der alte Rechner mit dem Standard-Algorythmus (Bikubisch). Ob das einen sichtbaren Effekt hat, kann ich nicht sagen. Aber es fühlt sich richtig an ;)

btwf: Die größere Festplatte und Rechenkapazität ist echt eine Entspannung. Nun kann ich auch ernsthaft über eine neue Kamera nachdenken ...

Arno

Martin Lemke

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Re: Neuer Workflow für Helicon Focus
« Antwort #1 am: 2015-05-14 07:35:49 »
Der Vorteil: Man muss nicht mehr alle Bilder eines Stapels in PS öffnen tunen und angleichen.

Dies zu lesen, schockiert mich regelrecht. Du hast allen Ernstes alle Einzelbilder bisher einzeln vorbearbeitet? Was für ein Wahnsinnsaufwand!

Zitat
Interessanter Weise scheint HF bei den RAW-Dateien auch größere Helligkeitsunterschiede (Blitzlicht-Schwankungen) perfekt ausgleichen zu können, was bei den TIF Dateien (alter Workflow) im Vergleich zur alten Version nicht mehr funktionierte.

Da hat es Vorteile, dass Du längere Zeit keine Updates mitgemacht hast. Mir ist das gar nicht aufgefallen, weil ich mit früheren Versionen nicht mit Blitz gearbeitet hatte. Bist Du bitte so lieb und teilst diesen Mangel dem Support mit? Dann wird dies in künftigen Versionen abgestellt.

DNG hatte ich mal ausprobiert, aber dass sind ja riesige Dateien. Zumal ich kein PS besitze. Da hat das DNG-Format für mich keinen näheren Zweck.

Zitat
Fazit: Es geht schneller und die Qualität ist besser. Wer noch nicht so arbeitet, dem/der würde ich empfehlen den Workflow umzustellen.

Wie bereits erwähnt, entwickle ich die RAW-Dateien mit DxO in Stapelverarbeitung und stackte danach TIFF. Der Endschliff erfolgt in der Zieldatei mit Nikon Capture NX2. Da ist vor allem die U-Point Technologie zu empfehlen, die Nikon an Google verkauft hat. Google bietet die wohl nun als Filter für Adobe-Programme an. Mit der U-Point Technologie kann man perfekt lila Farbränder entfernen, die bei Mikroskopfotos unvermeidlich sind. Für Faulpelze wie mich sind solche Tools Gold wert.

Uns nun spricht der Tüftler:
Zitat
Die neue „Renderingmethode C“ ist meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen. Nach anfänglicher Überraschung über die guten Ergebnisse musste ich im direkten Vergleich von Bildern, die mit der klassischen Methode B gerendert waren, feststellen, dass stellenweise die Kontraste unschön erhöht und bestimmte Details verschwunden waren.


Interessant. Bei mir werden manchmal Stacks aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen derart schlecht, dass ich das Resultat niemandem zumuten möchte. Vielleicht liegt es daran?

In der Regel sind meine Ergebnisse mit Methode C sehr gut. Unten mal ein Vergleich mit Lanczos 8 (16x16) Methode B (oben) und darunter Methode C als Bildausschnitt.

Zitat
Ich musste feststellen, dass die Grundeinstellungen der neuen Version keine Winkeltoleranz für Stackbilder (Drehen=0°) vorsehen. So kann man handgeschossene Stapel nicht zusammensetzen, weil sich das Motiv nicht nur vertikal und horizontal verschiebt, sondern meist auch etwas dreht. Hier sollte mindestens ein Wert von 2° eingestellt werden.

Sich drehende Objekte treten auch manchmal unterm Bino auf, wenn eine sehr winzige Probe unbemerkt aufschwimmt o.ä. Das ist sehr ärgerlich. Ich wusste gar nicht, dass man da etwas entsprechend einstellen kann.

Zitat
btw: Der neue Rechner lässt es jetzt zu, den rechenaufwändigsten Interpolationsalgorythmus (Lanczos 8 (16x16)) zu nutzen. Damit ist er nun immer noch spürbar schneller als der alte Rechner mit dem Standard-Algorythmus (Bikubisch). Ob das einen sichtbaren Effekt hat, kann ich nicht sagen. Aber es fühlt sich richtig an ;)

Wenn etwas neu ist, muss es besser sein, sonst schämt man sich für seine Ausgaben. ;-)


Zitat
btw: Die größere Festplatte und Rechenkapazität ist echt eine Entspannung.

Meiner Erfahrung nach, ist vor allem RAM wichtig.

Zitat
Nun kann ich auch ernsthaft über eine neue Kamera nachdenken ...

Mit 50 Megapixeln ... Canon EOS 5DS R mit deaktiviertem Tiefpassfilter. Die Auflösungsriesen brauchen den nicht mehr.

Martin
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DAS waren noch Zeiten: Norwegen 2011.

Arno Grabolle

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Re: Neuer Workflow für Helicon Focus
« Antwort #2 am: 2015-05-14 15:00:07 »
Interessant, du hast genau die gleichen Artefakte in deinen Bildern wie ich: diese hellen Schlieren auf dem oberen Bild. Meiner Meinung nach entstehen die durch geringe Hellingkeitsunterschiede der Einzelbilder. Die sind vor allem im unscharfen Hintergrund zu sehen, wo sich das Programm nicht so richtig entscheiden kann, welche Pixel aus welcher Ebene er nehmen soll. Das gab es in der alten Version nicht. Vielleicht liegt es auch an diesem Lacrosse-Algorythmus ... muss ich mal ausprobieren.

Ja, ich hatte auch schon daran gedacht, mich an den Service zu wenden. Aber da das Problem mit den Raw-Dateien nicht mehr auftritt, habe ich das nicht weiterverfolgt.

Du verstehst das falsch. Ich habe die Dateien vorher auch im Stapel „Vor-bearbeitet“. Eigentlich genau wie du es machst. In PS gibt es diesen RAW-Improt-Dialog, der ähnlich aussieht, wie dein Capture NX. Nur die Belichtungsschwankungen musste man trotzdem noch für viele Einzelbilder nachjustieren. Dieser Arbeitsschritt ist jetzt überhaupt nicht mehr nötig. Das Zwischenspeichern von Einzelbildern entfällt. Ich ziehe die RAW-Dateien des Stapels direkt in Helicon und kann rendern.

Das DNG-Format ist nur ein Zwischenschritt. Man kann diese Datei nun wieder öffnen und beim Konvertieren zu TIF all die Grob- und Feineinstellungen machen, die aber alle auf die Roh-Daten angewendet werden. Nur, dass schon das gerenderte HF-Bild mit großer Tiefenschärfe drin liegt. Das ist ziemlich cool. Man kann z.B. beim ersten mal eine sehr helle Version des Bildes erzeugen und beim zweiten Mal eine sehr dunkle. In PS kann man diese beiden Bilder übereinander legen und so kombinieren, dass man lokale Helligkeitsschwankungen ausgleicht, überhöht oder sonst was macht.

Am Schluss kommt wieder wie vorher ein TIF-Bild heraus, welches im Archiv landet. Das DNG lösche ich dann wieder.

Probiere das mal aus. Es scheint der professionelle und einfachere Weg zu sein. Du öffnest nur noch ein Bild (nach dem Rendern in HF) in Capture NX. Das andere Programm benötigst du wahrscheinlich dann nicht mehr (DNG-Dateien müsste Capture NX ja auch verstehen?).

Arno 

Martin Lemke

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Re: Neuer Workflow für Helicon Focus
« Antwort #3 am: 2015-05-15 01:42:42 »
DNG-Dateien müsste Capture NX ja auch verstehen?

Njet.

Nur Nikon RAW (NEF), TIF und Jpeg. Und der Hit ist, NX unterstützt nicht mal das 14 Bt-RAW-Format der D810! Die verweisen auf einen neuerne RAW-Konverter, der die U Poin-Technologie nicht enthält.

Generell: Was HF betrifft, bin ich anscheinend zu unkritisch. Eben habe ich den Pedipalpus von Ozyptila praticola (18 Einzelfotos) mit allen 3 Methoden (Lanczos 8 16x16) gestackt. Mit Methode A und C war das Ergebnis geringfügig weniger scharf. Ob das am Ende im Ergebnis relevant ist, weiß ich nicht, aber wenn man das Optimum will, sollte man auf dem Weg dahin möglichst wenig Kompromisse machen; zumal ohne Not.

Martin
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